Am 18. März 2018 traten im Rahmen der “Vienna Boxing Explosion” internationale Boxer aus Afrika bzw. Europa in verschiedenen Gewichtsklassen gegeneinander an. Neben dem “Kontinenten-Duell”, den Afrika 4:0 gewann, bestritt auch der Box-Champion Gogi “The Lion” Knežević gegen den Ungarn Achilles „best of“ Szabo durch unanimous decision seinen voraussichtlich letzten Kampf hier in Österreich, danach geht es für zwei, drei Kämpfe ab in die Vereinigten Staaten von Amerika. Wir trafen den 38-Jährigen davor zum Interview im Jab-Club und sprachen über sein Leben und seine sportliche Karriere, vor allem über seinen WBC-Titel – seine bis dato wohl größte sportliche Errungenschaft.

Kampfsport1.at: Hallo Gogi, allen voran Gratulation zu deinem letzten Sieg und danke, dass du dir Zeit genommen hast mit uns zu reden. Du sagtest, dass das dein letzter Kampf hier in Österreich sein wird, wie wird es mit dir weitergehen?
Gogi Kneseviz: Danke ebenfalls, mein Kampf war super. Ich konnte zeigen, dass ich mit 38 Jahren immer noch der beste Boxer Österreichs bin. Das war der beste Kampf des Abends, es gab eine Live-Übertragung fürs afrikanische Fernsehen und, ja, das war mein letzter Kampf in Österreich. Ich habe vor noch einige Kämpfe in den USA zu bestreiten und dann werden wir sehen. In Österreich habe ich alles erreicht was man erreichen kann – ich bin der erste WBC-Titel-Träger – mehr geht gar nicht.
Ist es richtig, dass du ursprünglich Profibasketballer warst, weil dein Vater dir das Boxen verboten hatte?
-Mein Vater war Boxer und ich habe eigentlich mit dem Boxen auch begonnen. Ich habe dann aber mit dem Basketball angefangen, weil, als ich zehn war, verbat mir mein Vater das Boxen komplett und so begann ich diesen Ballsport auszuüben. Obwohl ich mit meinen jungen 17 Jahren dann einen Profivertrag bei den Oberwart Gönners bekam und in der Bundesliga spielte, wollte ich dennoch wieder Boxen. So beschloss ich mit 23 Jahren meine ersten Profi-Kämpfe zu bestreiten, nachdem ich wegen Körperverletzung im Gefängnis war und mein Leben neu aufkrempeln wollte. Ziel war es von nun an Box-Champion zu werden.
Das war sicher nicht leicht am Anfang, du hast bestimmt mit viel Gegenwind zu tun gehabt, oder?
-Damals haben alle gelacht. Es gibt ein Sprichwort, mein Lebensmotto eigentlich: Am Anfang lachen sie über dich, dann reden sie schlecht über dich, dann bekämpfen sie dich. Und ich bin schon auf dem Punkt, wo sie mich bekämpfen!
Ja eh, das muss man dir lassen, egal was man von dir hält, du bist der erste Österreicher mit einem WBC-Titel.
-Ich wollte das unbedingt erreichen, ich bin im dritten Amateurkampf österreichischer Meister geworden. Mein Gegner hatte damals 58 Kämpfe! Als Anfänger quasi bin ich österreichischer Meister gleich geworden, das erfüllt mich mit Stolz, neben meinen WBC-Titel. Ich hatte aber auch sehr viel Glück, neben meiner harten Arbeit.

Woher erklärst du dir das?
-Ich glaube an Karma und glaube, dass guten Menschen auch Gutes widerfährt. Ich sehe mich als guten Menschen! Ich bin auf niemanden neidisch, oder auf seinen Erfolg. Ich gönne es der Pearson, wenn sie hart dafür arbeitet. Natürlich, denke ich aber am meisten an mich und ich spreche auch nicht schlecht über andere Menschen.
Österreichischer Boxsport damals und heute? Wie siehst du diesen Sport im Wandel der Zeit?
-Der österreichische Boxsport war vor 15 Jahren als ich Profi geworden bin nicht auf dem Punkt, wo er jetzt ist. Früher kamen vielleicht 200, 300 Leute auf die Veranstaltungen, jetzt kommen schon tausende Leute und das Fernsehen kommt auch. Der Kampfsport ist momentan am Steigen, mit dafür verantwortlich sehe ich zum Teil mich, aber natürlich auch Fadi Merza oder Marcos Nader. Jetzt kann der Nachwuchs froh sein, wo der Kampfsport gerade ist. Jeden Monat gibt es mittlerweile eine Veranstaltung, damals einmal im Jahr.
Erzähle uns doch etwas über deine Erfahrung in den USA
-Ich war letztes Jahr fünf Mal in Las Vegas und einmal in Brooklyn, New York. In Las Vegas trainiere ich im Mayweather Boxing Gym und habe viele Personen getroffen, wie Mike Tyson, Roy Jones Junior oder Floyd Mayweather. Zwei, drei Kämpfe für das nächste halbe Jahr sind in den Staaten geplant. Ich habe Angebote bekommen bzw. auch sehr viel Feedback erhalten und das motiviert natürlich. WBC ist der einzige Verband, den die Amerikaner anerkennen.
Wie hast du alle diese Kontakte aufgestellt?
-Ich bin nach Amerika für einen Kampf gefahren, Saul “Canelo” Alvarez vs. Julio Cesar Chavez Junior im MGM Hotel. Dort schlafen alle Boxer und man begegnet sich. So bin ich schnell in Kontakt mit einigen Boxern gekommen. Ich bin ein Typ, der auffällt, polarisiert, die haben mir den Spitznamen “mexican boy” gegeben, weil ich wie ein Mexikaner aussehe. [lacht]
Was glaubst du unterscheidet dich zu anderen Boxern?
-Ich bin ein Mensch der gerne auffällt, deswegen bin auch der bekannteste Boxer in Österreich. Ich lebe nicht für die Menschen, ich leben für mich selber und wichtig ist, wenn ich boxe, sind die Hallen immer voll. Natürlich sind nicht alle, die kommen, meine Fans, die Hälfte, die wegen mir kommt, will mich verlieren sehen, aber sie kommen und zahlen die Tickets! In Amerika läuft das auch so. Nicht jeder kann die Art von Floyd Mayweather ausstehen. Er ist auch ein Typ der polarisiert, er gibt gerne an. Die Meisten sehen seine Kämpfe, weil sie ihn eben nicht mögen.
Also sagst du, damit man längerfristig auf der Bühne des Boxsports erfolgreich bleibt, zählt nicht nur Können alleine, sondern auch ein bisschen Entertainment-Faktor?
-Können ist natürlich das aller Erste, was ein guter Athlet mitbringen muss, aber gleich danach kommt Entertainment. Sobald man in der Öffentlichkeit steht, ist man auch gleichzeitig Entertainer für die Menge. Schlussendlich kommen die Menschen, um Spaß zu haben und, um ihre eigenen Probleme zu vergessen. Wenn du fad bist, der 0815-Typ, oder der perfekte liebe Schwiegersohn bist, davon haben die Leute genug. Das wollen sie nicht unbedingt sehen, sondern eher einen der frech ist, gepaart aber natürlich mit Können und Technik. Das ist die Mischung zum Erfolg! Genau das Gleiche ist mit Conor McGregor. Das Problem ist, die meisten Menschen trauen sich nicht. Du musst Eier haben, das zu sagen was du denkst und auch Kritik einstecken können. Man kann nicht allen gefallen! Die Leute, die mich wirklich kennen, wissen wie ich bin. Besser du bist ein schlechtes Original, als eine gute Kopie!

Du bist glücklich verheiratet, deine Ehefrau unterstützt dich tatkräftig, würdest du sagen, dass dein Erfolg auch deiner Frau bzw. deiner Familie zu verdanken ist?
-Natürlich, meine Ehefrau ist mein größter Fan. Sie unterstützt mich wo sie nur kann. Wir alle in unsere Familie unterstützen uns gegenseitig sehr. Ich sage immer so: eine Hand wäscht die andere und einen Finger kannst du brechen, aber eine Faust nicht. Keiner schafft es im Leben alleine. Im Leben brauchen alle Menschen Unterstützung. Es ist nur wichtig wer dich unterstützt. In meinem Fall, meine Familie und meine Fans. Auf diesem Weg möchte ich mich bei meinen Liebsten, aber auch bei meinen Fans, die mich schon seit 15 Jahre unterstützen, bedanken – Danke!
Wenn du in den Ring steigst, gemeinsam mit deinem Team, trägst du immer ein Bild, mit einer Person abgebildet, wer ist diese Person und welche Bedeutung hat sie für dich?
-Das ist das Bild meines verstorben Trainers Edip Sekowitsch, seines Zeichens Europa- bzw. Weltmeister im Boxen, der 2006 umgebracht wurde. Er hat mich in den Boxsport eingeführt, er war der beste Freund von meinem Vater. Er hat mich damals aus dem Gefängnis rausgeholt. Damit er nicht vergessen wird trage ich ihn immer bis in den Boxring, um Respekt zu zollen! Ohne ihn wäre ich nicht da wo ich heute stehe!
Beschreibe uns doch deinen Boxstil
-Ich bin ein Fighter und boxe mit Herz. In jeder Runde kämpfe ich mit der gleichen Intensität, so als wäre jede Runde meine letzte.
Einige Boxer laufen in den letzten zwei Runden nur noch davon, da sie nach Punkten vorne liegen. Die Zuseher buhen sie nachher aus, die merken das. Auch Edip Sekowitsch hat immer gesagt: Du kannst alle anlügen – nur das Publikum nicht!
Ich weiß, dass ich nicht unschlagbar bin, jedoch denke ich nicht daran, dass ich verlieren kann – keine Sekunde denke ich daran!
Mike Tyson kommt im Rahmen einer Gewaltpräventionsinitiative des Sozialprojekts “Not in Gods Name” am 18. April 2018 nach Wien, du hast ihn bereits kennen lernen dürfen, wie ist er so als Mensch?
-Mike Tyson ist wirklich ein ganz, ganz lieber Mensch – jetzt. Wie ein Teddybär, er hat einen weichen Händedruck und ist sehr sympathisch. Ich habe ihn bei einer Autogrammstunde in Las Vegas kennen gelernt. Darüber bin ich sehr stolz, denn sein Management sagte ihm, dass ein WBC Europmeister hier sei, daraufhin sagte Mike: “Cool, WBC liebe ich, er soll rein kommen.” Man muss wissen, sein erster Titel war 1986 der WBC-Weltmeistertitel gegen Trevor Berbick.

Stichwort Frauenboxen, wie stehst du dazu und was denkst du über Eva Voraberger (22-5-0), einer der besten weiblichen Boxerinnen Österreichs, die bald ihren nächsten Kampf gegen Nina Radovanovic um den WBC -Titelkampf bestreiten wird?
-Ich muss ehrlich sagen, es gibt ein, zwei Gute, davon ist eine Eva Voraberger. Vom Boxstil her, würde ich sagen, dass sie jetzt nicht unbedingt eine Technikerin ist, aber sie hat ein riesen Herz und ist eine großartige Kämpferin. Als WBC-Champion gehört sie zur WBC-Familie. Ihr Herz ist größer, als das von vielen Männern, muss ich ehrlich sagen. Sie ist auch ein Typ, der polarisiert. Meiner Meinung nach, sollte sie noch offener sein, denn sie ist cooler, als wie sie sich in der Öffentlichkeit gibt. Sie hatte auch keine einfache Vergangenheit. Im Frauenboxen hat sie in Österreich bis jetzt alles erreicht. Wir sind jetzt nicht unbedingt beste Freunde, sportlich gesehen, ist sie eine professionelle Fighterin. Für ihren kommenden Kampf wünsche ich ihr viel Erfolg!
Für den sozialen Beitrag: Findest du, dass der Kampfsport, so paradox es auch klingen mag, für gewaltbereite Jugendliche ein Ventil sein kann ihre Energie nützlich zu kanalisieren?
-Ich finde ein guter Trainer sollte auch Pädagoge sein. Im Jab-Club ist es Ziel beispielsweise die Jugendlichen auch zu “erziehen”. Wenn du jemanden das Schießen beibringst, dann musst ihm auch beibringen, dass er nicht schießen darf! Genauso ist es mit dem Kampfsport. Wenn du das jemanden beibringst, dann solltest du ihm auch beibringen, dass er das auf der Straße nicht machen soll! Kampfsport kann die Jugendlichen davon abhalten auf die schiefe Bahn zu geraten, aber man muss wissen, es richtig zu kanalisieren. Das ist die Kunst dabei. Daher sollte ein Trainer mehr als bloßer Trainer sein. Im besten Fall sollte er dich immer motivieren und an dich glauben. Wenn das schon aufrichtig getan ist, dann wissen das die meisten Jugendlichen zu schätzen und hören dann eher auf dich!
Vielen Dank für das interessante und authentische Gespräch, möchtest du dich bei jemanden noch bedanken?
-An erster Stelle bedanke ich mich bei meiner gesamten Familie, dem Jab-Club, Hermann Bendl, mein Trainer und noch viele mehr. Was ich noch mitgeben will, die Kampfsportler in Österreich sollten mehr kämpfen und weniger reden 🙂 Die Fäuste sollten reden und nicht der Mund! Vielen Dank
(Fotos: facebook/gogiknezevicchampion)








