Österreichischer MMA-Champ und Jungunternehmer Philipp Loicht im Portrait

Österreichischer MMA-Champ und Jungunternehmer Philipp Loicht im Portrait

Sportliche Basics
Sportler Portrait

Zu seiner Person:

Philipp „Pippo“ Loicht ist Obmann, Trainer und Kämpfer vom Verein Kaiser-Gym Tirol, den er gemeinsam mit seinen Freunden und Trainingspartnern Peter & Christopher Treichl sowie Manuel Duxeneuner, (ebenfalls starke Wettkämpfer) im Vorstand führt. Ihr Headcoach und Mentor ist Harald Hager.

Geboren ist er in Wien, lebt aber schon seit ca. 12 Jahren in Tirol. Mit 16 Jahren hat er dann Thaiboxen unter Robert Fuchs im Fox-Gym Vienna begonnen zu trainieren und zu kämpfen. Mit ca. 22 hat er begonnen unter Harald Hager damals noch WSC-Kufstein (heutiges Kaiser-Gym Tirol) zu trainieren und zu kämpfen.

Von 2015 – 2017 war er Austrian MMA Champion im Leichtgewicht und österreichischer Meister im Thaiboxen und K1.

Sein Verein war der erste und einzige in Österreich, der zeitgleich drei Austrian MMA Titel in drei verschiedenen Gewichtsklassen bis vor Kurzem inne halten konnte:

Federgewicht: Samoht Schletterer

Leichtgewicht: Philipp Loicht

Weltergewicht: Peter Treichl

Mittlerweile hat sein Gym ein sehr großes Team mit starken Talente wie zB Mario & Franz Dengg, Christopher Treichl, Gökhan Aksu, Rudolf Obernauer, Florian Leitner. Das besondere an diesem Team ist der starke Zusammenhalt, sie trainieren nicht nur gemeinsam, sie sind auch sehr gut befreundet – nach dem Motto: Wenn einer von uns kämpft, kämpfen wir alle!

Seit drei Jahren ist er mit eigenen Sportprodukten selbstständig.

Kampfsport1.at: Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast unsere Fragen zu beantworten. Kannst unseren Lesern mehr Informationen über deinen sportlichen Werdegang geben? Also, warum hast du mit Kampfsport begonnen und wie ist es dazu gekommen?

Philipp Loicht: Kämpfen und raufen hat mich immer schon fasziniert. Jean Claude Van Damme Filme wie Bloodsport waren für mich das absolute Highlight. Ich war immer ein ziemlicher “Soletti” und dachte wie die meisten, ich komme für den Sport eigentlich nicht in Frage, aber das Herz dafür war immer schon. Einmal hat mir eben ein guter Freund von Thaiboxen erzählt, er hatte damals im Team von Fadi Merza & Marco Fidanzia zu trainieren begonnen. Ich hab mir den nächsten Verein in meiner Nähe gesucht und bin aufs Fox Gym gestoßen. Damals war es noch am Westbahnhof gemeinsam mit Master Rico’s Sip-Sun-do Verein. Es war sofort mein Ding, coole Atmosphäre tolle Trainer wie Robert Fuchs & Oliver und coole Trainingspartner wie Martin & Lazar oder Dorian um ein paar zu nennen. So oft wie möglich bin ich zum Training gegangen und hab bereits nach 4 Monaten meinen ersten Kampf bei einer Neulingsmeisterschaft bestritten.

-Wer war dein Gegner und wie war dein erster Kampf?

Ich hab gleich gegen den späteren Turniersieger antreten müssen, der heute mehrfache Champion Sasa Jovanovic. Ich hab ziemlich aufs Maul bekommen und nach Punkten verloren, aber ich wusste das Kämpfen ist mein Ding. Wir sind nach all den Jahren auch Freunde geworden. So hab ich ein paar Amateurkämpfe fürs Fox-gym bestritten, aber leider hatte ich zu der Zeit viel zu viel Flausen im Kopf – jung und dumm. Im Nachhinein ist man immer schlauer, aber ich hätte mich besser aufs Training als auf Party & Blödsinn konzentrieren sollen. Ich hatte keine Ausbildung und die Schule abgebrochen. Zudem hatte ich keine richtige Zukunftsperspektive.

-Was kannst du also dem Nachwuchs an Tipps weitergeben?

Mein Tipp an die Jugend an dieser Stelle: ich kann nur jedem ob Junge oder Mädchen empfehlen Kampfsport generell auszuprobieren und dabei zubleiben. Es formt euch fürs Leben. Man lernt sich stetig zu verbessern, hart an seinen Zielen zu arbeiten. Seit offen für Neues, habt keine Ausreden und zeigt Disziplin, das hilft euch sehr im Leben weiter. Eltern meldet eure Kinder in der nächsten Kampfsportschule an!

-Du bist auch Jungunternehmer, wie kam es dazu?

Ich bekam ich die Möglichkeit eine Ausbildung als Großhandelskaufmann in Tirol zu machen. Ich dachte warum nicht mal etwas Neues probieren, ich hatte sowieso nichts zu verlieren und bin von einem Wochenende aufs andre nach Tirol gezogen.

-Wie bist du dann zum Kaiser-Gym Tirol gekommen?

Nach ein paar Startschwierigkeiten als Stadtjunge bin ich dann auf meinen heutigen Trainer und Mentor Harald Hager getroffen. Er hatte damals den Verein WSC Kufstein (heutiges Kaiser-Gym Tirol), wo ich dann ein paar Kämpfe im Thaiboxen, und K1 bestritt. Ein paar ÖM Titel waren dabei, aber um ehrlich zu sein hatte ich sicher eine negativ Bilanz. Ich hatte meine Emotionen nicht so gut im Griff und hab einige Kämpfe dadurch verloren. Im Gegensatz zu heute gab es dieses Bilanzsammeln nicht wirklich, ich hab einfach gegen jeden gekämpft, der mir vorgesetzt wurde. Zum Teil auch open Weight und spontan. Es war eine coole Truppe, jeder hatte Kämpferherz so wie es in Tirol üblich ist und wir haben einfach zum Spaß gekämpft. Wir haben großartige Freundschaften geschlossen.

-Woher kommt deine MMA-Leidenschaft?

Ich war aber immer schon sehr an MMA interessiert nur war es damals nicht populär oder verbreitet, besonders nicht in Tirol. Bis dann Samoht Schletterer auftauchte und als 60 Kg Mann in open Weight Turnieren wie z.B. gegen Sascha Weinpolter von den Ettl Bros. bei der Cage Fight Series mitkämpfte. Eine Legende 🙂 Ich wusste, dass ich das machen will und fing an das Training und den Lifestyle richtig ernst zu nehmen. Mein Coach Harry konnte in seiner langen Kampfsportlaufbahn schon viel Erfahrung in den verschiedensten Disziplinen wie Thaiboxen, Boxen und Sambo sammeln und wir fingen an das Training auch auf MMA umzustellen.

(Philipp mit seinen Jungs vom Kaiser-Gym Tirol)

-Wann war dein erster MMA-Kampf?

2012 hatte ich dann meinen ersten MMA Kampf gegen Chris Lochner einen starken Judoka aus Bayern, ich konnte den Kampf nach Punkte gewinnen. Ich hab sehr auf Sicherheit gekämpft, aber ich wollte es diesmal wirklich richtig angehen. Wir sind auch Freunde geworden und trainieren sogar ab und zu miteinander.

-Wie bereitest du dich vor für einen Kampf, fährst du eventuell auch ins Ausland für ein Trainingslager?

Zur Wettkampfvorbereitung trainier ich immer mit meinem Team (Kaiser-Gym Tirol) gemeinsam. Ich brauche meine Jungs um mich herum besonders wenn ich kämpfe. Wir haben einen starken Zusammenhalt und Freundschaft und helfen uns gegenseitig nach dem Motto: “If one of us goes to war, we all go to war” (mit dramatischer Hintergrundmusik).Die Berge und das raue Klima von dem wir umgeben sind, bieten gute Möglichkeiten um sich auf einen harten Kampf vorzubereiten. Wir arbeiten auch mit einem weiteren Tiroler Gym unseren Freunden der Wild Division aus Innsbruck zusammen und trainieren gemeinsam. Nur zwischendurch versuche ich noch so viel andere Sparringspartner wie möglich zu bekommen und fahre zum Beispiel in meine alte Heimat um dort mit Freunden aus dem Fox-Gym Vienna, Roger Gracie Academy zu trainieren. Ich fliege aber auch gern nach Thailand und besuche einige Gyms wie AKA Thailand, Tiger Muay Thai etc., da es ein tolles Klima hat und man sich mit internationalen Top-Trainingspartnern messen kann. Die Hauptarbeit wird jedoch in unserem Gym gemacht und den Feinschliff und Strategie gibt mir unser Headcoach!

 (Philipp Loicht mit Mairbek Taisumov)

-Wie sieht deine aktuelle Bilanz aus und wer war dein stärkerster Gegner bis jetzt?

Meine aktuelle Bilanz im MMA sind 7 Kämpfe 5 Siege (3 via KO/TKO/retirement und 2 Niederlagen (via submission)
Mein stärkster Gegner denk ich war bisher Shamil Muradov, ich war damals noch etwas grün hinter den Ohren und hatte einen schlechten Tag. Aber ich finde er ist ein starker Kämpfer mit sehr viel Potential.

-Wie gehst du mit Niederlagen um?

Mit Niederlagen kann ich mittlerweile ganz gut umgehen, seit ich aufgehört hab die Schuld dafür mit Ausreden bei anderen zu suchen und mich mit meinen eigenen Fehler auseinander zu setzten. Ich lerne sehr gut davon, was mir auch nicht nur im Sport weiterhilft.

-Erzähl uns doch über deine Erfahrung Austrian MMA Champion gewesen zu sein?

2015 konnte in den Austrian Pro MMA Titel im Leichtgewicht gegen Arbi Kilaev nach Punkten gewinnen. Ich habe mich dafür 3 Wochen in Thailand 1 Woche in Wien und 2 Monate bei uns in Tirol vorbereitet. Ich habe den Kampf sehr taktisch gehalten und wollte wissen wie ich über die volle Distanz gehen kann. Ich weiß sehr wohl, dass ich keinen UFC Gürtel erkämpft habe, aber es war ein schöner Abend, da mein Kumpel Peter “The Bully” Treichl auch spontan den Weltergewichtstitel gewonnen hat.

-Wie ging es dann weiter mit dir?

Das war leider mein letzter Kampf seither, da mich ein paar Wochen drauf ein betrunkener Autofahrer  frontal mit dem Auto abgeschossen hatte. Meine Freundin und ich hatten einen großen Schutzengel, jedoch ist mir dabei die Schulter gerissen und ich wurde vor einem Jahr operiert.

-Das tut uns sehr leid, heißt das, dass du komplett die Kämpfe auf den Nagel gehängt hast?

Aktuell bin ich wieder fleißig im Training, aber ich musste meinen Titel freigeben da ich aufgrund meiner Selbstständigkeit mich nicht optimal vorbereiten kann. Was ich aus der Vergangenheit gelernt habe, schlauer zu sein 🙂 und nur dann kämpfen wenn man ordentlich vorbereitet ist. Im Nachhinein interessiert niemanden die Ausreden warum man verloren hat, aber ich helfe meinem Team als Trainer und Sparringspartner so gut ich kann in den Vorbereitungen. Wir haben einen Haufen junger Talente im Gym und wir werden auch immer stärker. “stay tuned”

-Also ist deine aktive sportliche Karriere noch ungewiss?

Wir werden sehen was die Zukunft bringt, ich weiß derzeit noch nicht, wann und ob ich wieder kämpfe. Bis dahin stehe ich weiter hinter meinen Jungs und helfe ihnen wo ich kann.

(Philipp mit Orlando Neto)

-Wer ist dein Vorbild?

Fedor Emelianenko und mein Trainer Harald Hager.

-Dann bedanken wir uns für dieses ehrliche und authentische Interview. Möchtest du dich noch bei jemanden bedanken?

Ich danke allen die mich auf meinem bisherigen Weg unterstützt haben. Meiner Familie, meiner Freundin, meinen Freunden, meinem Team und meinen Mitarbeitern. Ich möchte mich auch nochmal besonders allen Gym -Supportern bedanken. Und danke euch für die Möglichkeit für dieses Interview.

Schön, dass es endlich eine grossartige Plattform für Kampfsport in Österreich gibt.

-Danke, und viel Erfolg noch!

 

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